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Kurt Dicker: „Skat für Profis“, Urania-Verlag, Stuttgart, 2007

1. Allgemeines

Das Buch weckt mit seinem Titel große Erwartungen, die auch noch auf der Rückseite weiter unterstützt werden.

Schwer vorstellbar war es ohnehin, auf knapp 100 Seiten das Skatwissen zu vermitteln, um aus einem Anfänger einen Skatprofi zu machen. Jedoch bereits auf Seite 6 relativiert der Autor diese Haltung in dem er schreibt, das dieses Buch nicht für meisterhafte Skatspieler geschrieben wurde, sondern sich mehr an den erprobten Anfänger, Fortgeschrittenen und Gelegenheitsspieler wendet, um mit den dargebotenen Tricks, Kniffen und Techniken deren Spiel zu verbessern.

Insofern stimmt bereits der Titel nicht mit dem Inhalt überein.

 

2. Inhalt

Das Buch soll in 5 Abschnitten sein Wissen vermitteln:

bulletGrundsätze des fortgeschrittenen Spiels
bulletSpielverhalten nach Position
bulletStrategie und Taktik
bulletSpielertypen und ihre Muster
bulletRegeln und Hilfen

Im ersten Abschnitt werden so allgemeine Aussagen zum nicht näher erläutertem Informationsmanagement, dem Mitzählen von Augen und Trümpfen, der „Wahrheit und Klarheit“ dargelegt. Dabei sind solche banalen Aussagen „Wenn Sie ausspielen, so sollten Sie nicht wahllos in die Karten greifen und einfach mal eine Farbe ausprobieren, …“ sicherlich nicht hilfreich für den Anfänger und fortgeschrittenen Skatspieler.

Auch die Aussage in der Bewertung der Karten: „Entgegen einer oberflächlichen Annahme werden die meisten Spiele nicht über die Trümpfe, sondern über die „Vollen“ entschieden“ darf bezweifelt werden.

Statistisch konnte bewiesen werden, dass die Trumpflänge den signifikantesten Einfluss auf die Gewinnerwartung beinhaltet. Das damit dann natürlich „Volle“ gestochen werden können und müssen, versteht sich von selbst!

 Es werden fünf Prüfschritte allgemein dargestellt, um ein Blatt zu bewerten.

Die Aussagen werden fast alle in der Möglichkeitsform getätigt, womit der Anfänger nichts anfangen kann und der Fortgeschrittene dies ohnehin schon weis!

Diese werden dann an einfachen Beispielen aus der Sicht der 3 Spieler erläutert, die ein fortgeschrittener Skatspieler sofort übersieht.

Hilfreich wären hier bessere und praktikablere Entscheidungshilfen gewesen.

In den dargestellten Kartenblättern macht sich auch sofort ein großes Manko bemerkbar: Es wird mit dem Internationalen Blatt gearbeitet, welches für das Skatspiel weitgehend ungebräuchlich ist. Hier wäre es besser gewesen, das Französische Blatt oder das Turnierbild zu verwenden.

Dieser Nachteil wird auch sofort im Bild auf Seite 14 deutlich sichtbar, in dem anstelle des abgebildeten Herz-Buben die Herz8 hätte stehen müssen!

So verwirren die getätigten Aussagen und stimmen nicht mit dem Kartenbild überein.

Leider ist das auch nicht der einzige Fehler in der bildhaften Darstellung.

Durch das Buch zieht sich auch wie ein roter Faden wieder die unbewiesene These von der verteufelten Mittelhandposition und der vorteilhaften Vorhandposition.

Statistisch gesehen ist das schon lange nicht mehr haltbar, denn die beste Spielposition ist- von wenigen Ausnahmen abgesehen- die Hinterhandposition!

Auch der Unterschied zwischen Vorhand und Mittelhand ist bei weitem nicht so gravierend, wie angenommen- mit Ausnahme des „Zweibubengrands“.

Die Kalkulation der Gewinnerwartung geht dabei immer von der banalen Annahme aus, das man so und so viele „Volle“ durchbringen oder abstechen kann. Inwieweit das der Praxis entspricht, bleibt dahingestellt!

Generell sind die meisten Kartenbeispiele unglücklich gewählt.

Oft stimmt die Reizung und die Skatlegung nicht mit der Praxis überein oder relativ gute Spiele werden als nicht reizbar hingestellt oder zu zeitig gepasst.

Auch die empfohlene „Farbverbesserung durch den Skat“ (S. 22) kann wohl kritischen Beurteilungen nicht standhalten. Ein fortgeschrittener Skatspieler würde hier immer auf die 3 Punkte mehr verzichten und ein Herzspiel mit relativ geschlossenem Beiblatt in Pik wählen, als umgekehrt, zumal das Herzspiel wesentlich öfter Schneider wird!

Auch in den hier gegeben „Regeln“ ziehen sich wieder die Möglichkeitsformen „Sollten“, „müssen“, „könnten“ durch und verunsichern den Leser!

Die Aussage auf S.28 oben, dass dem Autor ein absichtliches Drücken von Trumpf in seiner Spielpraxis noch nicht vorgekommen wäre, outet ihm als nicht sehr erfahrenen Skatspieler!

Bei Spielen ohne 4 oder mehr ist das wohl oft gängige Praxis, um ein Trumpfvolles heim zu bekommen, wenn man in allen Farben besetzt ist und nur 4 oder 5 Trümpfe führt!

Die auf Seite 29 genannten 10 größten Spielsünden im Skat sind sehr unvollständig und auch nicht richtig in der Wertigkeit.

So wird weder das Blankanspiel zum AS in HH mit betrachtet, noch das fehlerhafte Aufmachen der dritten Farbe durch die GS, wenn der AS auf eine Farbe ein zweite abgeworfen hat.

Auch das Kartenblatt zu Beginn des zweiten Abschnitts, S.30 ist eine deutliche Fehleinschätzung. Auf das Blatt wird ein Karospiel diskutiert, wobei sich darin ein fast unverlierbarer Grand verbirgt.

Wie man anhand eines solchen Blattes ein Karospiel erläutern kann, bleibt rätselhaft!

Thesen wie „Beim Skat darf man sich keine Tabus und Denkverbote auferlegen, will man erfolgreich sein“ wirken auf Seite 35 wirklich banal.

Was die Aussage S.37 oben: „in den meisten Fällen wird der Alleinspieler in Vorhand ein Farbspiel oder sogar einen Grand suchen“, klingt ebenfalls banal. Warum soll es in VH kein Nullspiel oder ein Nullouvert mit blanker ausgespielter 8 einer Farbe sein?

Auch im folgenden Text wird wieder die These von der sehr vorteilhaften VH-Position mehr als strapaziert.

Dazu wird sogar der Begriff der so genannten „Auftaktsicherheit“ geprägt.

Wenn man dazu noch das gezeigte Beispiel S.40 nimmt, so kann mit dem praktizierten Anspiel wohl kaum ein Vorteil für Vorhand gewonnen werden- so spielen nur Anfänger!

Auch die Darstellung der Zählweise für den Alleinspieler und die Gegenspieler ist recht ungewöhnlich!

Ebenso ist der Grand, S.41 bei weitem nicht so unverlierbar („extrem unwahrscheinlich“), wie dargestellt. Selbst gegen Normalverteilungen kann der ganz schnell verloren werden!

Das Beispiel nur eines Grands in VH (S.44) ist bei weitem nicht so unmöglich, wie dargestellt.

In HH ist das immer ein Grand und in MH in Abhängigkeit vom Skat und der Reizung auch oft gespielt!

Die dargestellten „Goldenen Regeln“ S. 45 wirken und sind banal!

Die Auffassung S.52, dass die Gegenspieler 61 Augen zum Spielgewinn benötigen, bringt dann wohl das Fass der Unkorrektheiten und Banalitäten zum Überlaufen!

Auch das folgende Kartenbeispiel S.54 ist nicht die richtige Spielansage und schlecht gewählt. Im Übrigen werden kommentarlos sofort zwei ungeklärte Asse gewimmelt.

Bei richtiger Spielansage: „Herzhand“ hätte der AS wohl sein Spiel, trotz ungünstigem Kartenstand, gewonnen.

Das nächste Beispiel, S.59 zeigt auch wieder viele Schwächen! Das ist weder ein Reizblatt für MH und schon gar nicht für HH, der das Spiel erhält. Da können die GS eigentlich spielen, wie sie wollen- das Blatt wird bei fortgeschrittenen GS immer verloren!

Im nächsten Kapitel „Strategie und Taktik“ sollen dann einige grundsätzliche Regelungen und Empfehlungen gegeben werden.

Normalerweise sollte man hier damit beginnen, um was es geht und daraus die grundsätzlichen Strategien ableiten (Mannschaftsskat, Turnierskat, Vereinsskat, Kneipenskat usw.).

Bereits hier zeigt sich im ersten Beispiel S.67, dass dies wieder sehr unglücklich gewählt wurde. So ist sowohl die Skatlegung als auch die Spielweise mehr als fraglich und nur eines Anfängers „würdig“.

Die Empfehlung, auf das Blatt S.69 nicht den Skat aufzunehmen, weil man dazu keine Notwendigkeit hat, kann auch nicht akzeptiert werden. Auf das Blatt kann man 9 gute Karten finden und mit etwas Glück kann es sogar ein Grand werden!

Wie ein roter Faden zieht es sich durch das Buch, dass der AS weis, dass die beiden großen Buben verteilt sitzen, wenn die beiden GS nur beide niedrig gereizt haben, so auch S.73.

Das kann man wohl aus diversen Gründen bei fortgeschrittenen Skatspielern nicht zugrunde legen als Ausgangssituation!

Leider wirkt auch die „unumstößliche Regel“ beim Nullspiel, das man nur nicht die Fehlfarbe des AS treffen soll, sonst geht gar nichts mehr, als eine banale Darstellung.

Der vierte Abschnitt „Spielertypen und ihre Muster“ gefiel mir gut.

Dabei wird aber eine Klassifizierung nur anhand des Spielrisikos vorgenommen; in der Praxis dürfte das jedoch viel differenzierter sein.

Im 5. Abschnitt „Regeln und Hilfen“ sollen konkrete Tipps, resultierend aus Allgemeinen Sprüchen gegeben werden.

Dabei wird gleich kommentarlos als erstes die veraltete „Weisheit“: „Dem Freunde kurz, dem Feinde lang“ zelebriert, ohne deren Gültigkeit, vor allem beim Anspiel zum AS in HH näher zu betrachten!

Auch die anfänglichen Betrachtungen zur Wahrscheinlichkeit sind unrichtig und unvollständig.

So wäre es wünschenswert gewesen, die Tabelle S. 93 noch für mindestens 10 gute Karten fortzusetzen.

Auch die Wahrscheinlichkeiten, einen Buben im Skat zu finden, stimmen nicht.

Sie stimmen noch einigermaßen für den Fall, dass man sein Blatt noch nicht eingesehen hat, da ja darin auch noch Buben sich befinden können- aber wen interessiert das schon in der Praxis!

Hat man nach Aufnahme seines Blattes keinen Buben darin, so beträgt die Wahrscheinlichkeit der Findung eines im Skat sogar 34% und vor der Blattaufnahme 24%!

3. Gesamteindruck

Orthografie und Grammatik sind weitgehend fehlerfrei.

Das Cover und die Aufmachung entspricht einem Sachbuch.

Die vielen vorhandenen Fehler und Unzulänglichkeiten, die oft schlecht gewählten Beispiele sowie die banalen Aussagen im Buch lassen es jedoch für den Fortgeschrittenen Skatspieler völlig ungeeignet sein- vom Profi (für den es laut Titel eigentlich sein sollte) mal ganz abgesehen.

Aber auch für den Anfänger ist es nicht zu empfehlen, da die Methodik und Vermittlung des Wissens, die schlechte Kartendarstellung sowie die vielen genannten Fehler und Mängel diesem auch nicht weiterhelfen.

Es wurden deshalb nur 3 von 10 möglichen Punkten und damit das Prädikat „mangelhaft“ gegeben.

Stand: 05. Januar 2014